Freitag, 23. Januar 2015

Die Sache mit dem Nadelbinden

Schon ewig steckt mir das Nadelbinden in der Nase. Aber soll ich das wirklich probieren? Ich kann weder stricken noch häkeln... Mhhhh. Ein Besuch auf der Ronneburg im Dezember gab dann den Ausschlag es endlich selbst zu probieren. Da saß eine mir von Facebook bekannte Dame mit ein paar Freunden ums Feuer rum und zeigte ihnen, wie es funktioniert.
Eine Nadel und Filzwolle hatte ich schon sehr lange und so habe ich mich einfach mal getraut. Youtube an, bei Facebook in die Nadelbinde-Gruppe rein, auf einen super Blog im Internet gestoßen  und los gings. Und siehe da, so schwer war es gar nicht. Klar, kann man nicht direkt alles perfekt (auch wenn ich es gerne können wüde), aber beim Nadelbinden lernt man, Geduld mit sich selbst zu haben. Und so habe ich mit dem wohl einfachtsen Projekt angefangen: Stulpen im Oslo-Stich. Man sieht genau, welchen ich zuerst gemacht habe. :-)

Meine ersten nadelgebundenen Stulpen
 Und schon hat mich der Virus gepackt :-)

Weiter ging es mit einer kleinen Handytasche für meine Mitbewohnerin. Leider ist der Oslo-Stich dafür nicht geeignet und sie ist relativ schnell ausgeleiert, aber auch so lernt man dazu. Außerdem musste ich für diese Tasche im Oval arbeiten, was wieder eine neue Herausforderung war.

kleine Handytasche im Oslo-Stich
So, was braucht man für den Winter auf jeden Fall? Eine Mütze passend zu den Stulpen! Und wieder musste ich einen neuen Anfang erlernen: aus der Rosette arbeiten. Mit den ganzen Online-Anleitungen hat das echt gut geklappt. Diese Mütze trage ich momentan jeden Tag in meinem Alltag und ich bin richtig stolz darauf :-)

Meine erste Mütze im Oslo-Stich
Mütze getragen
Als ich über Weihnachten bei meinen Eltern war, kam mir die Idee, dass ich mir doch ein paar neue Nadeln selbst machen könnte. Neben dem Haus lagen noch die abgeschnittenen Äste vom Birnbaum. Gesagt, getan. Also bin ich ab an Opas Werkbank und habe mir ein paar neue Nadeln geschnitzt. Wie früher, als ich noch ein kleies Mädchen war. Da habe ich Schnitzen so sehr geliebt. Und am Besten geht es bis heute noch mit dem uralten schweizer Taschenmesser, das Opa mir vererbt hat. :-)
Auf der Werkbank fand ich noch ein Stück Weißdorn-Holz. Das musste auch dran glauben.
Die Nadeln aus Birnbaum mag ich sehr. Die sind so schön weich, glatt und anschmiegsam. Ich bin begeistert von dem Ergebnis.

Meine bisherigen Nadeln. Die oberen 3 sind aus Birnbaum, die untere aus Weißdorn.
Und dann hat mich der Größenwahn gepackt. In einem kleinen Wolllädchen hatten sie extra dicke Filzwolle (50g/30m) im Angebot. Da konnte ich nicht widerstehen. Beim ersten Rosetten-Versuch im Oslo-Stich habe ich bemerkt, dass dieser Stich nicht so wirklich geeignet ist für so dicke Wolle. Die Mädels in der Nadelbindegruppe (die übrigens ganz super sind) haben mir zum York-Stich geraten. Also nix wir ran an den neuen Stich. Ich fand ihn erstaunlich einfach und so hat meine Rosette die Form eines Nadelmäppchens angenommen. Ich hatte eine ganz tolle Variante von so einem Mäppchen auf dem oben erwähnten Blog gesehen und wollte es ausprobieren. Nur leider war die Wolle so dick, dass ich meinen Plan ein bisschen abändern musste. Aber ich finde es auch so recht gelungen.

Hier ist die Rosette noch im Oslo-Stich
Das fertige Mäppchen zusammen geklappt und zugebunden. Man sieht die Spitze im Oslo-Stich recht deutlich
Das fertige Mäppchen mit Nadeln.
Des Größenwahnsinns Krönung bis hier hin war mein Sockenprojekt. Aus extra dicker Filzwolle. Im Nachhinein muss ich sagen, dass das nicht die schlauste Idee war :-) Aber Versuch macht klug!
Die Socken sollen Größe 38 sein, sehen aber eher aus wie 45 :-D Vorne sind sie recht bauchig geworden. Eigentlich hattte ich beide Socken parallel "auf den Fuß" genadelt, aber sie sind doch teilweise sehr weit und am Schaft recht eng geworden. Ich komme gerade noch so rein. Leider sind sie sehr unterschiedlich, trotz dass ich sie parallel genadelt habe. Aber es sollten ja so oder so nur Bettsocken für kalte Lagernächte werden. Naja, das nächste Paar wird bestimmt besser.

Das erste Paar Socken, York-Stich
Ach ja, fast vergessen: Kann ich das Nadelbinden überhaupt für meine Darstellung verwenden? Direkte Funde aus der Merowingerzeit sind mir bisher nicht bekannt. Nur aus früherer und späterer Zeit oder anderer regionaler Zuordnung. Viele Darsteller tragen trotzdem nadelgebundene Mützen und Strümpfe. Vor allem viele Frauen tragen kniehohe Socken unter ihrer Wadenbindegarnitur. Also werde ich mir vermutlich ein Paar "richtige" Socken nadeln, auch wenn es nicht 100% historisch belegbar ist ;-)


So, ich bin mal gespannt, wann ich das nächste Mal schaffe euch von meinen Projekten zu berichten. Ich hab da noch so ein paar Sachen auf Lager ;-)





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