Samstag, 13. Juni 2015

Kann ich wirklich ein ganzes Kleid komplett von Hand nähen??

Diese Frage hatte ich mir immer wieder gestellt, wenn ich die wunderbaren Gewandungen manch anderer Darsteller betrachten durfte. Nach meinem Examen hatte ich dann endlich etwas Zeit und machte mich an die Arbeit. Als Stoff habe ich ein etwas gröberes Leinen gewählt, dass sich anfühlt, als ob noch etwas Hanf oder Nessel beigemischt wurde.
Die erste Überlegung war, ob ich Geren für zusätzliche Weite einsetzen soll. Eigentlich hätte ich das gerne gemacht, da ich ja doch um die Hüften etwas breiter bin. Allerdings habe ich dann von einer ganz erfahrenen und fundiert arbeitenden Darstellerin erfahren, dass Geren erst ab ca. 650 n. Chr. belegt sind. Also entschloss ich mich für den altbekannten A-förmigen Schnitt mit obligatorischer "Popo-Beule" ;-) Ich war bei meinen Eltern zu Besuch und habe angefangen auf dem Wohnzimmertisch alles zuzuschneiden.

Meine Mutter ermutigte mich dazu, dann den Halsausschnitt zu machen. Irgendwie hatte ich mir angewöhnt, ihn immer zuletzt zu machen. Aber so hat es wunderbar geklappt, ohne wieder etwas auftrennen zu müssen. Online habe ich dann Kontakt zu einer wunderbaren Nähgruppe gefunden, die von Alwina, der Betreiberin der Seite www.wikingerkleidung.de, betrieben wird. Dort habe ich tolle Unterstützung erfahren und sehr gut Tips erhalten.

Das zugeschnittene Kleid mit fertigem Halsausschnitt. Mit Stecknadeln zusammen geheftet.
Detail Halsausschnitt
Genäht habe ich alles mit Überwendlichstichen, so wie es auf der Seite von Alwina beschrieben ist. Erst habe ich die Nahtzugaben versäubert und dann die Teile zusammen gefügt. Die Nahtzugaben habe ich mit Fäden genäht, die ich zuvor aus dem Stoff gezupft habe. Allerdings sind die immer sehr schnell gerissen. Zum Zusammenfügen der Teile habe ich dann ein stabileres Leinengarn verwendet. Ich hatte Angst, dass die Nähte mit dem Stoffeigenen Faden nicht genug aushalten.

Versäuberte Nahtzugabe
Nahtzugabe die Zweite
Meine Freunde haben mich für verrückt erklärt, da ich die Stiche sehr eng aneinander gesetzt habe. Allerdings wollte ich mir selbst beweisen, dass ich von Hand fast so fein nähen kann, wie mit der Nähmaschine und ich hatte Angst um die Haltbarkeit meiner Nähte. Ich hatte nur nicht gedacht, dass die Naht so fest und starr wird, wie sie es geworden ist. Mit Hilfe des Bügeleisens konnte ich das aber recht gut beheben.

Und nun noch Bilder vom fertigen Werk:

Ansicht von vorne

Ansicht von der Seite

Hier treffen Ärmelnaht und Seitennaht zusammen
Abschließend kann ich sagen, dass ich wahnsinnig stolz auf mich bin. Ich finde das Kleid sehr gelungen und das nächste Kleidungsstück ist schon in Arbeit. Es soll eine Thorsberg-Hose für meinen Freund werden.

Lebenszeichen

Uff, ein halbes Jahr ist es nun schon her, seit ich das letzte Mal etwas geschrieben habe. Das alles ist meinem Studium und meinem Examen zu verdanken. Die Zeit ist einfach sehr knapp und es reicht gerade noch so dafür, nebenbei etwas zu werkeln.
"Was ist im letzten halben Jahr alles so passiert?" frage ich mich gerade. Was kann ich euch berichten?
Irgendwie schwanke ich gerade zwischenn "nicht viel" und "eine ganze Menge".
Die ersten 2 Märkte sind für dieses Jahr schon vorbei. Ein paar neue Sachen durften bei uns einziehen, vieles haben wir seit dem gewerkelt.
Ein neues Bett incl. Bettzeug durfte es sein, eine neue Korbtruhe, ein neuer Sprang-Rahmen, viele neue Bücher, eine wunderschöne nach Fund gefertigte Keramikkanne, einige nadelgebundene Dinge sind mir von der Nadel gehüpft, ich habe viele Nadelbinde-Nadeln geschnitzt, mein erstes komplett handgenähtes Untergewand ist fertig geworden, ich habe angefangen eine Thorsberg-Hose zu konstruieren, habe angefangen mit der Handspindel zu spinnen usw.
Ich bin noch am Überlegen, an was ich euch teilhaben lassen kann bzw. was ich ausreichend dokumentiert habe.
Was mich aber am Meisten freut ist, dass ich vermutich ein Grab gefunden habe, das ich darstsellen möchte. Zumindest das grobe Gerüst steht. Allerdings habe ich momentan leider weder die Zeit, noch das Geld, um diese Vision auch umzusetzen. In der Zeit zwischen meinem Examen und dem Beginn von meinem letzten Studienjahr hatte ich etwas Zeit und war öfter in der Residenz in Würzburg. Da gibt es eine ganz tolle Bibliothek für Vor- und Frühgeschichte. Ich habe mich gefühlt, wie im Paradies. :-)
Ich hoffe, dass ich zukünfitg wieder etwas öfter was von mir hören lassen werde ;-)