Montag, 27. Januar 2014

Das neue Projekt: Sprang

Mein aktuellstes Projekt nennt sich: Sprang.

Das ist eine Technik ähnlich dem Weben. Nur werden hier gespannte Fäden miteinander verdrillt.
Irgendwie habe ich einen Narren an dieser Handarbeitstechnik gefunden. Momentan ist Klausurenphase und da muss man sich ja irgendwie vom Lernen ablenken. Also habe ich mir die Technik per Youtube und Phialas Stringpage angeschaut und losgelegt. Einfach 2 Laternenstäbe vom letzten Martinsumzug an mein Expedit-Regal gebunden und los gehts.
Warum muss immer alles komplizierter sein, als es auf den ersten Blick aussieht? ;-)

Als ich am Wochenende bei meinem Freund war, hat er  mir spontan einen Rahmen aus Latten und Lederbändern gebaut. Damit geht es schon etwas einfacher. Jetzt werden kräftig leichte Muster geübt. Vielleicht kann ich euch ja dann  ein paar Bilder zeigen...

Momentan in Planung aka Zukunftsvisionen

Je mehr ich mich mit dem Aussehen der Franken beschäftige, desto unzufriedener werde ich mit meiner Gewandung.

Anfang Januar haben wir die Zusage für den Mittelaltermarkt in Worms bekommen. Bis dahin will ich ein gutes Stück authentischer geworden sein. Nächste Woche steht wieder ein Stoff-Einkauf an. Dieses mal will ich aber einer dezenteren Farbe den Vorzug geben...

Dann möchte ich mir einen neuen Gürtel machen. Mein Freund wird mich dafür verfluchen. Ich möchte einen typisch merowingischen Gürtel mit eingelegten Lederbändern haben. Vielleicht bekommen wir das ja irgendwie hin. Für an den Gürtel möchte ich mir dann das passende Gürtel-Gehänge machen. Darin verarbeite ich dann die Bergkristall-Kugel und meine kleine Schere.

Die Bestellung für eine neue Fuhre Leinengarn ist auch schon in Planung. Dieses Mal sollen gleich 5 Farben bei mir einziehen. Ich bin mal gespannt...

Weiterhin sollen meine wendegenähten Schuhe nach dem Vorbild der Arnegunde endlich fertig werden. Da muss ich dem Herren wohl noch mal in den Hintern treten. ;-)

Ach ja: die Bergkristall-Kugel muss ich natürlich erst noch fassen. Sonst lässt sie sich so schlecht aufhängen.

Letzte Woche waren wir bei einem älterem Herren bei uns im Ort, der Korbwaren zum Materialpreis herstellt. Wir haben uns eine große Truhe für unsere Gewandung bestellt. Ich bin so gespannt, wann sie fertig ist und wie sie dann aussieht...

Diese Liste könnte ich noch beliebig lange weiter führen...

Weitere Projekte

Mittlerweile hat mein Freund das Lederwerken für sich entdeckt. So konnte ich dann meinen geliehenen Gürtel gegen einen selbst genähten tauschen. Mittlerweile weiß ich, dass er nicht wirklich zu meiner Darstellung passt, aber hey, er ist immerhin handgenäht.


Außerdem hat mein Freund mir ein sehr schönes Etui für mein (von lieben Freunden geschenktes) Essbesteck und eine Gürteltasche genäht. Das Essbesteck hat sogar eine kleine Schutzkappe, damit ich als tollpatschigster Mensch der Welt mich nicht steche... :-D Im gleichen Zug ist auch noch eine Umhängetasche für meinen Liebsten entstanden... Bilder seht ihr im Folgenden.



Auch hat er ein Paar wendegenähte Schuhe für mich angefangen. Nur irgendwie nähen die sich nicht von selbst weiter. :-P

Auf einem Markt hatte ich ein paar Glasperlen erstanden. Diese habe ich mit einigen alten Münzen kombiniert, ganz nach dem Vorbild der Grabfunde. Leider habe ich von der fertigen Kette noch keine Bilder machen können.

Nachdem ich in vielen Ausstellungskatalogen gesehen hatte, dass viele Frauen an ihren Gürtelgehängen Bergkristallkugeln trugen, machte ich mich auf die Such danach. Was bietet sich da besser an als ein Shopping-Trip in der Edelsteinhauptstadt Deutschlands. Zufälligerweise wohnen meine Eltern dort ganz in der Nähe. Und siehe da. Ein wahres Schnäppchen habe ich gemacht... Eine Kugel und eine Bergkristallspitze gingen in meinen Besitz über. Eine weitere Kugel fiel mir auf einem Markt in die Hände.



Nach einer Stöberaktion auf dem Dachboden und bei meiner Großtante konnte ich auch noch ein paar Felle bzw. Pelze mein Eigen nennen... :-)


So langsam wird die Gewandung immer kompletter. Aber zufrieden bin ich noch lange nicht... Wenn nur der Geldbeutel immer so mitmachen würde... *grummel*

Die Sache mit dem "Socken"

Obenrum war ich also eingekleidet. Doch was mache ich mit meinen Beinen und Füßen?
Die Frage stellte ich bei unserem allsonntäglichen Klantreffen. Sofort wurden diverse Bücher heraus gekramt und ich bekam mehrere Zeichnungen von Beinlingen zu sehen. ine Art "Socken" oder "Stulpen", der mit Lederbändern in verschiedenen Variationen am Bein festgehalten wurde.
Ein paar Tage später traf ich mich mit einer Freundin und wir werkelten zusammen. Erst nähte ich mir ein paar Stulpen. Dann entwarf ich einen Prototyp von ledernen Beinlingen.
Da mein Freund und ich bei einem befreundeten Lederhosenschneider viele Lederreste abgestaubt hatten, hatte ich das passende Material zu Verfügung. Und so entstanden meine Beinlinge. Ganz ohne Schnallen und Beschläge.

Leider sind diese Teile nicht ganz billig und auch nicht unbedingt leicht zu finden. Zumindest nicht passend für unsere Darstellung. Also behalf ich mir einfach mit Lederschnüren, mit denen ich diese Riemen aneinander festband.

Zu Hause angekommen habe ich mir dann auch noch passend zu meiner offenen Tunika ein paar Socken genäht. Und zwar welche, bei denen ich nicht auf der Naht laufen muss. Das klingt einfacher, als es ist. Ich in meinem Fall habe grob die Umrisse eines Riesen-Sockens auf den Stoff gemalt und ihn dann so wie ich ihn wollte um meinem Fuß rum gesteckt. Dieses Gebilde habe ich dann einfach durch die Maschine gelassen. Ich frage mich bis heute, wie dabei solche Socken raus kamen. :-D




Kurz vor dem ersten richtigen Markt in Obernburg 2013 mussten dann ein Paar Schuhe her. Bisher hatte ich immer ein Paar helle Lederstiefel aus dem Deichmann an. Mit etwas Phantasie konnte man sie als Mittelalterschuhe durchgehen lassen.
Nach dem Muster vom einem Paar Bundschuhe für Kleinkinder, welches wir auf dem Kopierer so lange vergrößert hatten, bis mein Fuß rein passte, habe ich mir dann ein Paar Bundschuhe gebastelt (s. oberes Foto). Eine sehr günstige und einfach Alternative, die mir bisher gute Dienste geleistet hat.

Neues Material muss her

Der nächste Schritt für mich war die Verzierung meiner Gewandung.
Also beschloss ich, dass Leinengarn her muss. Daraufhin fing ich an, danach zu suchen und zu googlen. Uff, war das Zeug teuer. Für eine Rolle ist man da ganz schnell 12€ los. Aber trotzdem bestellte ich mir je eine Rolle Rot, Gelb und Blau bei Flinkhand. Mittlerweile habe ich eine neue Quelle, die etwas billiger ist. ;-)

Bevor ich allerdings mit der Stickerei auf meiner ersten Gewandung beginnen konnte, brach im Klan ein "neues Fieber" aus. Wir beschlossen, der Darstellung der Franken noch etwas näher zu kommen und eine offene Tunika zu nähen. Diese wird in einigen Rekonstruktionen als "typisch fränkisch" angesehen.

Also fuhren wir wieder zu besagtem Stoffhändler und deckten uns ein. Mein Freund nahm sich auch Stoffe für eine neue Tunika und 2 Hosen mit. Frei nach dem Motto: "Schatz, das schaffst du schon!" :-)

Also ging alles wieder von vorne los. Tunika nähen, dieses Mal allerdings alleine. Und das auch noch etwas abgewandelt von der ersten... Aber auch das war mit einigem Fluchen und Schimpfen dann machbar.
Auch mein Freund wurde neu eingekleidet.

So war ich ruck-zuck im Besitz von 2 Untertuniken, einer geschlossenen Übertunika, einer offenen Übertunika, einem Wintermantel, einem Sommermantel und mein Freund hatte eine neue Tunika und 2 neue Hosen.

Und dann stand ich wieder vor dem Problem mit der Stickerei. Bei meinem künstlerischen Talent rechnete ich mir da nicht viel Chancen aus. Mit Stickvlies, viel Geduld und einigen zerstochenen Fingerkuppen ging sogar das einigermaßen. Als Vorlagen dienten mir diverse Fibeln, Zierscheiben und sonstige belegte Verzierungen.

Mein Fazit aus all dem ist bis heute: Einfach mal ausprobieren. Mehr als schiefgehen kann es nicht!!!








Ich denke, für den ersten richtigen Versuch alleine kann sich die Gewandung doch sehen lassen...

Der Weg zur ersten Gewandung

Vom Mittelalter-Fieber gepackt machte ich mich daran meine erste Gewandung zu schneidern.
Der Kommentar meiner Schwester dazu war: "Was? Du und eine Nähmaschine?"

Viele Reenactor verteufeln ja moderne Hilfsmittel zur Herstellung der Gewandung. Für mich ist jedoch die Feinheit des Nähens mit der Maschine gerade das Authentische. Wenn ich von Hand alles nähen würde, wären die Nähte nicht ansatzweise so fein wie wenn ich sie mit der Maschine nähe. Die Frauen früher hatten ein so unglaubliches Geschick, dass sie sehr, sehr feine Nähte herstellen konnten. Das wäre für mich unmöglich von Hand.

Die Sichtbaren Nähte übersticke ich aber bis heute von Hand.

Erst einmal ging ich mit unserer "Klanmutti" in die heiligen Hallen eines ortsansässigen Bekleidungsherstellers.
Dieser stellt Trachten aus Wolle und Leinen her. Leider sind die Stoffe chemisch gefärbt, aber bei dem Preis pro Meter mache ich halt Abstriche. Ich achte aber (mittlerweile) darauf, dass die Stoffe nicht allzu chemisch gefärbt aussehen. Allerdings musste ich heute wieder feststellen, das auch ein sehr kräftiges Lila sehr wohl mit pflanzlichen Farben herstellbar ist.

Also erst einmal kräftig mit Stoff eindecken, nach Hause schleppen und dann ging es auch schon los.

Schnittmuster? Fehlanzeige. Wir haben da unsere ganz eigene Methode. Eine schon existierende Tunika wird einfach auf den Stoff gelegt, grob an Längen und Breiten angepasst und im Anschluss wird ausgeschnitten und munter-lustig drauf los genäht. Das klingt jetzt sehr wüst, aber nichts anderes machen wir. ;-)

Das Einpassen der Ärmel und das Aufnähen der Stoffborten an Ärmel und Halsausschnitt war dabei die größte Herausforderung.

Aber ich muss sagen, dass alles viel besser geklappt hat, als gedacht. Innerhalb von 2 Nachmittagen war meine erste eigene Gewandung incl. Mantel fertig.





Mensch, was war ich stolz darauf!


Wie alles begann

Mein Interesse für Mittelaltermärkte war schon seit meiner Kindheit groß. Außer einigen Besuchen mit viel Gestaune was bis ins Jahr 2012 aber nicht viel passiert.
Doch das sollte sich schlagartig ändern.
Im Juni 2012 lernte ich meinen Freund kennen, der schon seit langem Mitglied in einem mittelalterlichen Klan war. Diese Truppe macht es sich zur Aufgabe, das Leben der Franken um das Jahr 600 n.Chr. wieder aufleben zu lassen.
So stand ich "Gromi" (Grobmittelaltermensch) nun da. Ohne auch nur ansatzweise authentische Gewandung, ohne jegliche Ausstattung.

Unsere "Chefin" sagte mir, ich solle erst einmal mit Ihren Sachen an Marktbesuchen teilnehmen, um einmal die mittelalterliche Luft zu schnuppern.

Und so ging es dann los. Unser erster Besuch auf der Burg Neuhaus sollte mich nun komplett mit dem Mittelalter-Virus infizieren.

Ab dann ging es Schlag aug Schlag.

Stoff kaufen, nähen, basteln, neue Dinge entdecken, recherchieren und lernen.


Diesen Weg (den Weg zum authentischen "A"), an dessen Anfang ich noch immer stehe, möchte ich mit euch teilen...

Um einmal einen Eindruck davon zu gewinnen, wie ich anfangs auf Märkte gegangen bin, habe ich euch unten ein Bild eingefügt. Mittlerweile lächle ich selbst darüber ;-)