Dienstag, 30. Mai 2017

Darstellung "Fränkin der Merowingerzeit" um 520 n.Chr. überarbeitet: Ist man überhaupt jemals fertig?

So, mittlerweile ist es sehr lange her, dass ich zum letzten Mal etwas geschrieben habe. Dies ist mehreren Umständen geschuldet. Zum einen arbeite ich sehr viel und es bleibt extrem wenig Zeit fürs Hobby. Andererseits war sehr viel im Umbruch. Ich versuche mich immer noch in der Darstellung zu finden und all das Wissen, das ich mittlerweile angehäuft habe, irgendwie zu verarbeiten und umzusetzen. Mit viel Recherche kommen auch Widersprüche und Zwiespälte auf und man muss versuchen seinen eigenen, für sich plausiblen Weg zu finden.

Aktuell habe ich meine "Fränkin" fast vollständig überarbeitet. Einiges ist dazu gekommen, vieles ist noch geplant. Ich hatte das Glück viele tolle Menschen zu treffen, die mich in meinem Tun bestärken und mir auch immert toll zur Seite stehen und mich bei Fragen unterstützen.

Ich als "Neuling" stolpere häufig über Themen, die schon vielfach diskutiert wurden. Aber ohne diese Diskussionen zu kennen und vor allem ohne das Ergebnis zu kennen, kann ich diese Erkenntnisse nicht mit in meine Arbeit einfließen lassen. Auch hier stehen mir ganz viele, wahnsinnig tolle Menschen zur Seite.

Mein Ziel ist es immer noch, irgendwann einmal auf museales Niveau zu kommen. Nach der Überarbeitung fühle ich mich meinem Ziel schon um einiges näher. Ich fühle mich irgendwie "angekommen".

Aber nun genug gequatscht, hier ein aktuelles Bild.

Museumsfest Segnitz 2017
Danke an Aulus für das tolle Bild!

Zur Ausstattung:
- Unterkleid aus Leinen, handgenäht.
- Übergewand aus Wollstoff, pflanzengefärbt mit Cochenille (für die aktuelle Darstellung nicht belegt) und Krapp, handgenäht
(Danke Sofka ;-) )
- Mantelkleid aus Wollstoff, pflanzengefärbt mit Krapp, Besatz aus braunem Fischgrat-Wollstoff, handgenäht (auch hier geht mein
Dank an Sofka)
- Schuhe wendegenäht von Andreas Helfert (http://www.reenactment- bedarf.de/), angelehnt an den Wielenbach-Fund. Zeitlich und regional nicht völlig passend, aber ich warte noch, bis man nen gescheiten Schuh ausgräbt :-D
- Neuer Gürtel nach Obrigheim Grab 85, Zusammenarbeit von "Jo Daxer" und Aulus Ledermanufaktur (https://www.facebook.com/AulusLedermanufaktur/?fref=ts)
- Nicht sichtbar die Wadenbindengarnitur frei interpretiert nach Obrigheim Grab 85, Zusammenarbeit von Aulus Ledemanufaktur (https://www.facebook.com/AulusLedermanufaktur/?fref=ts) und Aes liquidum (https://www.facebook.com/AesLiquidum/?fref=ts), Zu sehen hier auf der Seite der AG historisches Handwerk: http://bit.ly/2qvAqZT Hier war die Schwierigkeit, dass es kein Planum zum Grab gibt und nicht sicher ist, wo die Riemenzunge gefunden wurde. Ich hatte die Wahl zwischen einem gekreuzten Band mit Riemenzunge an einem Ende und dieser Lösung. Hier gehen die Meinungen über die "richtige" Lösung für die angestrebte Zeit weit auseinander.
- Vogelfibeln von Manuel Margraf von Aes liquidum ( https://www.facebook.com/AesLiquidum/?fref=ts)
- Bügelfibeln: Aktuell noch die Griesheim-Fibeln von Replik.de, Austausch erfolgt im Laufe des Jahres
- Perlenkette idealtypisch ergänzt, da die Perlen zum Grab verschollen sind.
- Gefasste Bergkristall-Kugel von Schmuckhort, idealtypisch angelehnt
- Bernstein-Spinnwirtel von Jo Daxer
- Broschierte Seiden-Vitta nach Unterhaching 


Ergänzt und optimiert werden: 
- Kopfbedeckung: Mit der aktuellen Lösung bin ich nicht ganz zufrieden. Erste Versuche, die Vitta mit in die Frisur einzubinden und einen Schleier drüber zu tragen laufen. 
- Gürtelgehänge wird vom Stil her noch an Gürtel und Wadenbindengarnitur angepasst, vor allem, da ich die Bügelfibeln auch ohne Mantelkleid tragen möchte. Da fehlt akutell die optimale Lösung. Jedoch habe ich mich noch nicht entschieden, ob ich die Lösung ohne Mantelkleid plausibel finde.
- Perlenkette optimieren/ergänzen 
- Messer, Ring, Kolbenarmreif, Glasspinnwirtel aus dem Grab sind in Planung 

Soweit erst einmal mein Bericht der Fortschritte und Veränderungen. Ich denke, es wird noch einiges folgen. Aber ist man je "fertig" mit einer Darstellung? Ich liebäugel jetzt schon mit einer Zweitdarstellung... Also bleibt es spannend ;-)

Hier noch ein Bild in Aktion beim Spinnen in Schlotzau 2017

Danke an Kreativstudio Asgard!

Samstag, 13. Juni 2015

Kann ich wirklich ein ganzes Kleid komplett von Hand nähen??

Diese Frage hatte ich mir immer wieder gestellt, wenn ich die wunderbaren Gewandungen manch anderer Darsteller betrachten durfte. Nach meinem Examen hatte ich dann endlich etwas Zeit und machte mich an die Arbeit. Als Stoff habe ich ein etwas gröberes Leinen gewählt, dass sich anfühlt, als ob noch etwas Hanf oder Nessel beigemischt wurde.
Die erste Überlegung war, ob ich Geren für zusätzliche Weite einsetzen soll. Eigentlich hätte ich das gerne gemacht, da ich ja doch um die Hüften etwas breiter bin. Allerdings habe ich dann von einer ganz erfahrenen und fundiert arbeitenden Darstellerin erfahren, dass Geren erst ab ca. 650 n. Chr. belegt sind. Also entschloss ich mich für den altbekannten A-förmigen Schnitt mit obligatorischer "Popo-Beule" ;-) Ich war bei meinen Eltern zu Besuch und habe angefangen auf dem Wohnzimmertisch alles zuzuschneiden.

Meine Mutter ermutigte mich dazu, dann den Halsausschnitt zu machen. Irgendwie hatte ich mir angewöhnt, ihn immer zuletzt zu machen. Aber so hat es wunderbar geklappt, ohne wieder etwas auftrennen zu müssen. Online habe ich dann Kontakt zu einer wunderbaren Nähgruppe gefunden, die von Alwina, der Betreiberin der Seite www.wikingerkleidung.de, betrieben wird. Dort habe ich tolle Unterstützung erfahren und sehr gut Tips erhalten.

Das zugeschnittene Kleid mit fertigem Halsausschnitt. Mit Stecknadeln zusammen geheftet.
Detail Halsausschnitt
Genäht habe ich alles mit Überwendlichstichen, so wie es auf der Seite von Alwina beschrieben ist. Erst habe ich die Nahtzugaben versäubert und dann die Teile zusammen gefügt. Die Nahtzugaben habe ich mit Fäden genäht, die ich zuvor aus dem Stoff gezupft habe. Allerdings sind die immer sehr schnell gerissen. Zum Zusammenfügen der Teile habe ich dann ein stabileres Leinengarn verwendet. Ich hatte Angst, dass die Nähte mit dem Stoffeigenen Faden nicht genug aushalten.

Versäuberte Nahtzugabe
Nahtzugabe die Zweite
Meine Freunde haben mich für verrückt erklärt, da ich die Stiche sehr eng aneinander gesetzt habe. Allerdings wollte ich mir selbst beweisen, dass ich von Hand fast so fein nähen kann, wie mit der Nähmaschine und ich hatte Angst um die Haltbarkeit meiner Nähte. Ich hatte nur nicht gedacht, dass die Naht so fest und starr wird, wie sie es geworden ist. Mit Hilfe des Bügeleisens konnte ich das aber recht gut beheben.

Und nun noch Bilder vom fertigen Werk:

Ansicht von vorne

Ansicht von der Seite

Hier treffen Ärmelnaht und Seitennaht zusammen
Abschließend kann ich sagen, dass ich wahnsinnig stolz auf mich bin. Ich finde das Kleid sehr gelungen und das nächste Kleidungsstück ist schon in Arbeit. Es soll eine Thorsberg-Hose für meinen Freund werden.

Lebenszeichen

Uff, ein halbes Jahr ist es nun schon her, seit ich das letzte Mal etwas geschrieben habe. Das alles ist meinem Studium und meinem Examen zu verdanken. Die Zeit ist einfach sehr knapp und es reicht gerade noch so dafür, nebenbei etwas zu werkeln.
"Was ist im letzten halben Jahr alles so passiert?" frage ich mich gerade. Was kann ich euch berichten?
Irgendwie schwanke ich gerade zwischenn "nicht viel" und "eine ganze Menge".
Die ersten 2 Märkte sind für dieses Jahr schon vorbei. Ein paar neue Sachen durften bei uns einziehen, vieles haben wir seit dem gewerkelt.
Ein neues Bett incl. Bettzeug durfte es sein, eine neue Korbtruhe, ein neuer Sprang-Rahmen, viele neue Bücher, eine wunderschöne nach Fund gefertigte Keramikkanne, einige nadelgebundene Dinge sind mir von der Nadel gehüpft, ich habe viele Nadelbinde-Nadeln geschnitzt, mein erstes komplett handgenähtes Untergewand ist fertig geworden, ich habe angefangen eine Thorsberg-Hose zu konstruieren, habe angefangen mit der Handspindel zu spinnen usw.
Ich bin noch am Überlegen, an was ich euch teilhaben lassen kann bzw. was ich ausreichend dokumentiert habe.
Was mich aber am Meisten freut ist, dass ich vermutich ein Grab gefunden habe, das ich darstsellen möchte. Zumindest das grobe Gerüst steht. Allerdings habe ich momentan leider weder die Zeit, noch das Geld, um diese Vision auch umzusetzen. In der Zeit zwischen meinem Examen und dem Beginn von meinem letzten Studienjahr hatte ich etwas Zeit und war öfter in der Residenz in Würzburg. Da gibt es eine ganz tolle Bibliothek für Vor- und Frühgeschichte. Ich habe mich gefühlt, wie im Paradies. :-)
Ich hoffe, dass ich zukünfitg wieder etwas öfter was von mir hören lassen werde ;-)

Mittwoch, 28. Januar 2015

Kammweben: gelesene Muster: Widderhorn

Da ich in letzter Zeit öfter gefragt wurde, wie ich gelesene Muster mit dem Kamm webe, wollte ich hier einmal eine kleine Anleitung veröffentlichen.
Dazu möchte ich noch einmal erwähnen, dass mir durchaus bewusst ist, dass Kammweben keine für die Merowingerzeit belegte Technik ist. Die Bortenfunde die es aus dieser Zeit gibt, sind soweit feststellbar alle brettchengewebt.
Schon öfter hatte ich das so genannte "Widderhorn" als kammgewebte Borte gesehen und mir auch schon meine Gedanken dazu gemacht. Der "Durchbruch" kam dann aber durch eine (wie ich finde sehr talentierte) Bandweberin namens Katraka. Sie hat eine Homepage, von der ich mir die Inspiration für das Muster abgeschaut und ein bisschen an meine Wollvorräte angepasst habe. Leider hatte ich nicht genug helle Wolle und so habe ich ein helles Braun an den Rändern hinzugefügt.
Zu dem Muster habe ich mir eine kleine Skizze gemacht. Lasst euch von meinem Gekrakel bloß nicht abschrecken... Eigentlich ist alles ganz logisch ;-)

Skizze zum gelesenen Muster Widderhorn. Oben der Einzug, unten die Musterskizze
(Ganz oben links und rechts die Kästchen mit dem großen X habe ich letztendlich weg gelassen)

Erst einmal habe ich mir aufgezeichnet, wie ich den Kamm schären muss. Die oberen 2 Reihen vor denen S und L stehen sind die Reihen für Schlitze und Löcher. Also zeigt mir die obere Reihe, welche Farben in die Schlitze und die untere Reihe welche Farben in die Löcher kommen.
Bei gelesenen Mustern ist normalerweise immer jeder 3. Faden ein Musterfaden. Nehmen wir den Musterfaden 1 als Beispiel. Er liegt in einem Loch (auf der Skizze untere Reihe das schwarze Kästchen ganz links). Jetzt zählen wir weiter. Der Schlitz daneben ist hell, das Loch daneben auch, der darauf folgende Schlitz hat wieder einen Musterfaden. Also ist der 3. Faden wieder ein Musterfaden... Und so geh es dann weiter. So wird erst einmal der Kamm geschärt.

Im Anschluss webe ich immer ein Stückchen an. Einfach, damit das Band ein bisschen stabiler wird. Wenn ich so einfach ohne Fäden zu lese webe, bekomme ich ein "buntes Pünktchenmuster". Das könnt ihr auf dem folgenden Bild am unteren Rand erkennen.

Angewebtes Band mit "buntem Pünktchenmuster" am unteren Rand
Dann schaue ich mir meine Skizze wieder an. Aus welcher Position muss ich anfangen zu weben, damit mein Muster Sinn ergibt? Der erste Musterfaden, der oben sein muss (damit man ihn auch als Muster sieht) ist der Musterfaden Nummer 8. Die Zeichnung des Musters wird von unten gelesen und Faden Nummer 8 stellt ja den Anfang des Widderhorns. Musterfaden Nummer 8 liegt in einem Schlitz (vergleiche Skizze: Nummer 8 liegt in der oberen Reihe, also in einem Schlitz). Also fange ich mit meinem Muster an, wenn ich den Kamm nach unten ziehe und die "Schlitz-Fäden" oben sind. Das kann man auf folgendem Bild ganz gut erkennen.

Kamm nach unten gezogen. Musterfaden Nummer 8 kommt oben zum Liegen.
Da sie unterste Zeile unserer Muster-Zeichnung nur aus Nummer 8 besteht, wird auch nur dieser Faden oben gehalten. Momentan liegen aber noch Musterfäden Nummer 2,4,6,10,12 und 14 zusätzlich zu Nummer 8 oben. Also nehme ich Musterfäden 2,4,6,10,12 und 14 und "lasse sie fallen" bzw. lege sie nach unten. Dann ziehe ich den Schussfaden durch und webe diese Reihe.

In der 2. Zeile von unten kommt der Musterfaden Nummer 9 nach oben (siehe Zeichnung). Also ziehe ich den Webkamm wie beim ganz normalen Weben nach oben. Nun liegen die Musterfäden 1,3,5,7,9,11,13 und 15 in den Löchern oben. Wir brauchen wie im vorherigen Schritt aber nur einen Faden an der Oberfläche: Nummer 9.

Kamm nach oben gezogen. Musterfäden 1,3,5,7,9,11,13 und 15 liegen oben.
Also lassen wir die restlichen Fäden, die wir nicht oben sehen wollen, wieder fallen. Und so geht es das ganze Muster lang weiter.

Ein weiteres Beispiel: In Reihe 9 von unten habe ich also Musterfaden Nummer 2,6,8,10,14 oben und Nummer 4 und 12 lasse ich fallen. So webe ich weiter, bis mein Muster vollständig ist.

Das fertige Muster
Wie ihr seht, ists alles kein Hexenwerk. Man muss sich nur einmal heran trauen.

Freitag, 23. Januar 2015

Die Sache mit dem Nadelbinden

Schon ewig steckt mir das Nadelbinden in der Nase. Aber soll ich das wirklich probieren? Ich kann weder stricken noch häkeln... Mhhhh. Ein Besuch auf der Ronneburg im Dezember gab dann den Ausschlag es endlich selbst zu probieren. Da saß eine mir von Facebook bekannte Dame mit ein paar Freunden ums Feuer rum und zeigte ihnen, wie es funktioniert.
Eine Nadel und Filzwolle hatte ich schon sehr lange und so habe ich mich einfach mal getraut. Youtube an, bei Facebook in die Nadelbinde-Gruppe rein, auf einen super Blog im Internet gestoßen  und los gings. Und siehe da, so schwer war es gar nicht. Klar, kann man nicht direkt alles perfekt (auch wenn ich es gerne können wüde), aber beim Nadelbinden lernt man, Geduld mit sich selbst zu haben. Und so habe ich mit dem wohl einfachtsen Projekt angefangen: Stulpen im Oslo-Stich. Man sieht genau, welchen ich zuerst gemacht habe. :-)

Meine ersten nadelgebundenen Stulpen
 Und schon hat mich der Virus gepackt :-)

Weiter ging es mit einer kleinen Handytasche für meine Mitbewohnerin. Leider ist der Oslo-Stich dafür nicht geeignet und sie ist relativ schnell ausgeleiert, aber auch so lernt man dazu. Außerdem musste ich für diese Tasche im Oval arbeiten, was wieder eine neue Herausforderung war.

kleine Handytasche im Oslo-Stich
So, was braucht man für den Winter auf jeden Fall? Eine Mütze passend zu den Stulpen! Und wieder musste ich einen neuen Anfang erlernen: aus der Rosette arbeiten. Mit den ganzen Online-Anleitungen hat das echt gut geklappt. Diese Mütze trage ich momentan jeden Tag in meinem Alltag und ich bin richtig stolz darauf :-)

Meine erste Mütze im Oslo-Stich
Mütze getragen
Als ich über Weihnachten bei meinen Eltern war, kam mir die Idee, dass ich mir doch ein paar neue Nadeln selbst machen könnte. Neben dem Haus lagen noch die abgeschnittenen Äste vom Birnbaum. Gesagt, getan. Also bin ich ab an Opas Werkbank und habe mir ein paar neue Nadeln geschnitzt. Wie früher, als ich noch ein kleies Mädchen war. Da habe ich Schnitzen so sehr geliebt. Und am Besten geht es bis heute noch mit dem uralten schweizer Taschenmesser, das Opa mir vererbt hat. :-)
Auf der Werkbank fand ich noch ein Stück Weißdorn-Holz. Das musste auch dran glauben.
Die Nadeln aus Birnbaum mag ich sehr. Die sind so schön weich, glatt und anschmiegsam. Ich bin begeistert von dem Ergebnis.

Meine bisherigen Nadeln. Die oberen 3 sind aus Birnbaum, die untere aus Weißdorn.
Und dann hat mich der Größenwahn gepackt. In einem kleinen Wolllädchen hatten sie extra dicke Filzwolle (50g/30m) im Angebot. Da konnte ich nicht widerstehen. Beim ersten Rosetten-Versuch im Oslo-Stich habe ich bemerkt, dass dieser Stich nicht so wirklich geeignet ist für so dicke Wolle. Die Mädels in der Nadelbindegruppe (die übrigens ganz super sind) haben mir zum York-Stich geraten. Also nix wir ran an den neuen Stich. Ich fand ihn erstaunlich einfach und so hat meine Rosette die Form eines Nadelmäppchens angenommen. Ich hatte eine ganz tolle Variante von so einem Mäppchen auf dem oben erwähnten Blog gesehen und wollte es ausprobieren. Nur leider war die Wolle so dick, dass ich meinen Plan ein bisschen abändern musste. Aber ich finde es auch so recht gelungen.

Hier ist die Rosette noch im Oslo-Stich
Das fertige Mäppchen zusammen geklappt und zugebunden. Man sieht die Spitze im Oslo-Stich recht deutlich
Das fertige Mäppchen mit Nadeln.
Des Größenwahnsinns Krönung bis hier hin war mein Sockenprojekt. Aus extra dicker Filzwolle. Im Nachhinein muss ich sagen, dass das nicht die schlauste Idee war :-) Aber Versuch macht klug!
Die Socken sollen Größe 38 sein, sehen aber eher aus wie 45 :-D Vorne sind sie recht bauchig geworden. Eigentlich hattte ich beide Socken parallel "auf den Fuß" genadelt, aber sie sind doch teilweise sehr weit und am Schaft recht eng geworden. Ich komme gerade noch so rein. Leider sind sie sehr unterschiedlich, trotz dass ich sie parallel genadelt habe. Aber es sollten ja so oder so nur Bettsocken für kalte Lagernächte werden. Naja, das nächste Paar wird bestimmt besser.

Das erste Paar Socken, York-Stich
Ach ja, fast vergessen: Kann ich das Nadelbinden überhaupt für meine Darstellung verwenden? Direkte Funde aus der Merowingerzeit sind mir bisher nicht bekannt. Nur aus früherer und späterer Zeit oder anderer regionaler Zuordnung. Viele Darsteller tragen trotzdem nadelgebundene Mützen und Strümpfe. Vor allem viele Frauen tragen kniehohe Socken unter ihrer Wadenbindegarnitur. Also werde ich mir vermutlich ein Paar "richtige" Socken nadeln, auch wenn es nicht 100% historisch belegbar ist ;-)


So, ich bin mal gespannt, wann ich das nächste Mal schaffe euch von meinen Projekten zu berichten. Ich hab da noch so ein paar Sachen auf Lager ;-)





Mittwoch, 21. Januar 2015

Schaffelle waschen

Wie im letzten Beitrag schon geschrieben hatte ich unsere Schaffelle einer kleinen "Frischekur" unterzogen. Wie schon erwähnt, hatte ich ein handelsübliches Fellwaschmittel benutzt. Damit habe ich sie in der Duschwanne gut eingeweicht und gesäubert. Nach dem Trocknen waren sie dann recht struppig. Ein guter Anlass mir eine neue Haarbürste zu kaufen. Die alte brauchte ich ja zum Auskämmen der Felle ;-)
Und so saß ich dann einige Zeit auf dem Boden und habe Felle gekämmt. Merkwürdigerweise hat ein Fell sehr viele Haare gelassen und das andere fast gar keine. Naja, wie dem auch sei, die Felle riechen jetzt wieder angenehm und sind einigermaßen flauschig. Nicht mehr ganz so flauschig wie vorher, aber man kann ja nicht alles haben ;-)
Ich habe euch noch ein paar Bilder angefügt, damit ihr eine gewisse Vorstellung von den Unterschieden habt.

Schaffell nach dem Waschen. Leicht verfilzte, harte Spitzen, wenig flauschig

Schaffell während dem Kämmen. Die rechte Bildhälfte ist schon gekämmt.

Nach dem Kämmen. Schön flauschig. :-)


Mittwoch, 3. Dezember 2014

Von Büchern, Stoffen, Wünschen, Gehängen, Fellen, Keramik, gewebten Bändern und dem ganz normalen Wahnsinn

Sehr lange war es hier ruhig. Es ist wahnsinnig viel, aber irgendwie auch wieder gar nichts passiert ;-)
Momentan habe ich durch mein Studium und mein bevorstehendes Examen kaum Zeit zum Recherchieren und Basteln. Aber die nächste Saison kommt ganz bestimmt und dafür möchte ich gerüstet sein.

Was ist in den letzten Monaten so passiert?

Ich habe meine komplette Darstellung noch einmal überdacht. So wirklich zufrieden bin ich einfach nicht. Die Bezeichnung "Fränkin" ist mir mittlerweile zu ungenau geworden und sehr gerne hätte ich pflanzengefärbte Stoffe zur Verfügung. Dann würde ich mir eine neue Gewandung daraus fertigen. Aber leider spielt der Geldbeutel da momentan nicht mit. Also: Weiter recherchieren, Gedanken machen und irgendwann mal entscheiden wäre ganz nett ;-)

Weiterhin habe ich mir viele neue Bücher besorgt, um mich genauer zu informieren. Nur leider habe ich kaum Zeit da auch einmal rein zu schauen. Vor einigen Tagen habe ich von einem Gräberfeld bei uns in der Nähe erfahren. Vielleicht ist dort ja eine Darstellung dabei, die mir für die Zukunft als Grabdarstellung gefällt. Mal schauen. Das Buch ist bestellt. Ich warte auf die Post ;-)

Neue gesammelte Werke
Meinem Gürtelgehänge ging es auch an den Kragen. Nachdem ich gehört habe: "Das erinnert schon ein bisschen an Indiana Jones!", habe ich beschlossen, dass das Gehänge ein bisschen schmaler und kürzer werden muss. Also alles wieder aufgetrennt, eingekürzt, wieder zusammen genäht etc. Zufrieden bin ich noch nicht ganz, aber fürs erste wird es so schon einmal gehen. Eine meiner Bergkristallkugeln habe ich mittlerweile fassen lassen. Die andere hebe ich mir für einen ganz besonderen Plan auf... Ich hab da mal wieder so eine Idee. ;-) Diesen Spruch hasst mein Freund... :-P

Vorher
nachher
 


















Mittlerweile ist auch nach Fund gefertigte Knickwandkeramik bei uns eingezogen. Ich bin wirklich sehr begeistert. Ein Teil ist glasiert, was so nicht unbedingt belegt ist, aber zum Trinken ist es einfach hygienischer. Wenn man seinen Saft im Lager mehrere Stunden auf dem Tisch stehen hat, ist mir poröser Ton leicht suspekt. Jetzt fehlt mir nur noch ein Krug und eine etwas weitere Schüssel. Aber das hat Zeit. Fürs Erste bin ich keramiktechnisch glücklich :-)

Gefertigt von der lieben Anna Stadler
Dann habe ich mich unseren Schaffellen gewidmet. Wir haben mittlerweile eine ganz beachtliche Sammlung zusammen getragen. Interessant war, dass die neu gekauften mehr stanken als die, die wir vom Antiquitätenhändler oder vom Flohmarkt hatten. :-) Wir hatten uns aus dem Spectaculum in Worms ein wunderschönes flauschiges Fell gekauft. Zu Hause in der Wohnung roch es dann ganz stark nach Schaf. Vermutlich haben wir einen Bock erwischt. Wir versuchten das übliche Procedere mit auslüften, in den Nebel hängen (wirkt oft sehr gut) etc. Allerdings blieb der sehr penetrante Geruch genau so bestehen. Auch eines der Flohmarktfelle hätte besser riechen können. Meine Mitbewohnerin hat mir dann ihr Fell-Waschmittel mitgebracht, das sie für ihr Sattelunterlagen einmal gekauft hatte. Damit wurden die Felle dann in der Duschwanne malträtiert und siehe da: Sie riechen nur noch ganz zart nach ihrem ursprünglichen Geruch! Wer hätte es gedacht? Nun muss ich sie nur noch einmal aufkämmen und die Haut fetten, da sie doch durch das Waschen etwas härter geworden ist. Aber alles in allem bin ich sehr zufrieden. Sonst hätte ich dieses Fell nicht in meinem Zelt haben wollen.

Beim Bandweben habe ich mittlerweile mein 2. Band fertig gestellt. Es ist nicht wirklich schön, aber selten. ;-) Es war der erste Versuch eines gelesenen Musters. So habe ich mich an einem Fisch probiert und unser Klan-Symbol den Widderkopf habe ich auch mit eingewebt. Das soll bis auf weiteres meine Vitta werden, die ich über meinem Schleier tragen will. Je mahr Bänder ich webe, desto besser werde ich. :-) Beim nächsten Mal muss ich nur die Musterfäden deutlich dicker wählen.

mein zweites Band
Viele Dinge stehen auf der Wunsch- und To-Do-Liste:
- Naturgefärbte Stoffe für eine neue Gewandung
- Ein neues Bett muss her. Dafür brauchen wir erst einmal Holz. Vielleicht bekommen wir das
  vom hiesigen Sägewerk. Geplant ist ein Bett, wie ich es auf Goldlockes Blog gesehen habe.
  Das scheint relativ einfach umzusetzen sein. Dann brauchen wir noch Ausstattung für ins
  Bett. Meine Mutter hat mir eine Schafwollunterlage (war ursprünglich ein
  Matratzenschoner) als Matratze und 2 dicke Wolldecken angeboten. Die möchte
  ich dann in einen Bezug aus Wollstoff einnähen. Dann noch einige Felle dazu und wir
  dürften nachts nicht mehr frieren.
- Ich muss endlich einmal die Sprang-Haube für unsere Klan-Chefin fertigen, die ich ihr zum
  Geburtstag versprochen habe. Doch dazu brauche ich erst einen neuen
- Sprang-Rahmen. Meiner ist mir mittlerweile zu groß und unbequem. Ich möchte einen mit
  festetehenden Stangen, damit das Werkstück nicht mehr so viel Spannung verliert.
  Immerhin habe ich das Holz schon gekauft. :-)
- Meinen Schleier muss ich noch umsäumen, damit ich ihn mit meinem gewebten Band
  tragen kann.
- Beschläge für eine Wadenbindengarnitur. Diese will ich nach Fund anfertigen lassen. Ich
  warte wie gesagt noch auf einen Fundkatalog, in dem wahnsinnig tolle Abbildungen
  diesbezüglich drin waren.
- Im Verlauf hätte ich gerne ein neues Gürtelgehänge. Aber erst einmal abwarten, ob ich
   einen Grabfund finde, der mir zusagt.

Ich glaube das wars fürs erste... Aber bestimmt ist die Liste noch lange nicht vollständig. :-)
Ich würde sagen, ich bin in den letzten Monaten wieder ein kleines bisschen schlauer und authentischer geworden.